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Orga Urkult

Samstag, den 12. Februar 2011 um 02:14 Uhr Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 05. März 2011 um 02:18 Uhr
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alt

Zur Erhöhung der Erträge bzw. der Wachstumsgeschwindigkeit der Pflanzen wird im Bereich der industriellen Landwirtschaft heutzutage Chemie eingesetzt, die jüngsten erfolgreichen „alternativen“ Strömungen propagieren biologische Wachstumsbeschleunigung mit „Effektiven Mikroorganismen“ oder Produkte wie Megagreen – das als Blattdünger die Nährstoffversorgung übernimmt und so das chemisch-biologische Gleichgewicht im Boden bewahrt und ganz nebenbei den Wasserbedarf der Pflanze halbiert. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es jedoch auch Forschung in Richtung physikalischer Beeinflussung des Pflanzenwachstums durch elektromagnetische Felder.
Wissenschaftlich betrachtet konnte dieser Zweig mit durchaus interessanten Effekten aufwarten, jedoch sind die entwickelten Verfahren niemals in eine breitere Anwendung gekommen. Am nahesten am Erfolg in Deutschland war die Arbeit von Gustav Adolf Winter aus Großjena bei Naumburg an der Saale, der 1932 in Verhandlung mit der Reichsregierung stand, und der das von ihm entwickelte Orga-Urkult-Verfahren in der Landwirtschaft einführen wollte. Auf der eigenen Versuchsfläche konnte er mit qualitativ hochwertiger und außergewöhnlich wuchsfreudiger Feldfrucht aufwarten: überliefert sind zwei Meter hoher Grünkohl und Tomaten mit 60 kg Frucht an einer Staude, und das auf reinem Heidesand ohne zusätzliche Düngung, ja sogar ohne Wässerung. In Vorträgen versprach er eine Verkürzung der Vegetationsperiode je nach Pflanzenart um 1/3 bis 2/3, was zwei bis drei Ernten pro Jahr bedeuten würde. Diese Erfolge sind in nebenstehendem Buch bildlich gut dokumentiert worden.

Eine vom bayerischen Landwirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Versuchsfläche hat die von Gustav Adolf Winter dokumentierten Ergebnisse 1933 jedoch nicht reproduzieren können oder wollen. Winter sprach von Sabotage und von einer Intrige gegen ihn. Nach der offiziellen Geschichtsschreibung soll er sich 1936 nach einer Anklage vor dem Sondergericht in Halle wegen Verstosses gegen das Gesetz gegen die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933 im Gefängnis das Leben genommen haben.

alt37 Historisch wird sich der Sachverhalt wohl niemals klären lassen. Wie auch immer, ein positives unabhängiges Gutachten aus der damaligen Zeit liegt nicht vor. Sein angeblicher „Freitod“ kann so oder anders interpretiert werden.

Der Effekt, der dem Orga-Urkult zugrunde lag, war nach Angaben Gustav Adolf Winters durch Zufall an Gleisanlagen der Reichsbahn entdeckt worden. Vermutlich war es der zur damaligen Zeit ebenfalls in Großjena ansässige Gustav Winter, Oberbahnwart a. D., und (vielleicht) ein Verwandter Gustav Adolf Winters, dem aufgefallen war, dass an exakt Nord-Süd verlaufenden Gleisstücken in der Nähe der Erdungskabel das Unkraut im Schotterbett ohne Kontakt zu Wasser oder Erdreich zu Riesenwuchs neigte. Gustav Adolf Winter gelang es diese Konstellation der Gleisanlagen in modifizierter Form für die Landwirtschaft zu adaptieren, benötigt wurden beim Orga-Urkult „Erdantennen“, an die Stelle der Gleise trat verzinkter Eisendraht, sowie eine „Elektronik“, die das „ersetzte, was bei der Reichsbahn auf zufällige Weise zusammentraf“. Den Aufbau dieser Elektronik und die Bauanweisung für die gesamte Anlage wollte er 1936 nach einem Scheitern der Verhandlungen mit der Reichsregierung in einem Anhang zu dem oben erwähnten Buch veröffentlichen. Die Auflage dieser Broschüren soll angeblich schon gedruckt gewesen sein, wurde jedoch niemals ausgeliefert und gilt heute leider als verschollen.

altAber welches technologische Umfeld hatten die betreffenden Gleisanlagen? Waren es die damals üblichen Gleise für Dampflokomotiven oder waren es die ersten elektrifizierten Strecken, die ja immerhin bereits seit 1903 mit Oberleitungsmasten versehen wurden? Der Nachlaß von Gustav Adolf Winter gibt keinen Aufschluß darüber.

Allerdings erlebte in jüngster Zeit sein Buch eine kleine Renaissance im pdf-Format, und im Jahr 2009 setzten sich einige deutsche Privatforscher daran, das System zu rekonstruieren. Zwei Lösungsansätze kristallisierten sich dabei heraus, abgeleitet von der nicht-elektrifizierten Strecke auf der einen, und der elektrifizierten Strecke auf der anderen Seite.

Ich selber hatte mir auch vorgenommen, das von Gustav Adolf Winter entwickelte Verfahren zu rekonstruieren – und entschied mich im ersten Anlauf für die nichtelektrifizierte Strecke. Viele der Effekte, die im Zusammenhang mit dem Orga-Urkult erwähnt werden, waren im Kontext der mir bekannten Forschung, die ich als Technologie- Scout betreue, beschrieben worden. Es waren jedoch immer nur Aspekte, die sich wiederfanden, und sie ergaben zusammen nicht mehr als ein Puzzlespiel. Setzte man dieses Puzzle zusammen ergab sich in der Gesamtschau jedoch ein vielversprechendes 38 Bild, sowie eine plausible Skizze für die Rekonstruktion der von Gustav Adolf Winter entwickelten Anlage.

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