
Djanan ist ein Ort in Süd-Algerien, am Nordrand der Sahara gelegen. Derzeit gibt es dort nicht mehr als ein landwirtschaftlicher Betrieb, der einigen Familien ernährt. Aber es ist der erste Ort, and dem das Wissen von Desert Greening in seiner ganzen Komplexität ins Leben gerufen wird. Djanan ist damit der Anfang eines Versuchs und Modellprojektes, einer Forschungs- und Lehranstalt in einem.
Djanan ist sehr eng verknüpft mit der Geschichte seines Gründers: Madjid Abdellaziz. Djanan ist das Paradies, das Madjid Abdellaziz im Herzen trägt. Djanan ist manifeste Vision, und der einfachste Weg Djanan zu verstehen und von Djanan zu lernen ist sich von der Geschichte Madjids inspirieren zu lassen.
Madjid Abdellaziz, gebürtiger Algerier, hatte in den 80ern Informatik an der TU-Berlin studiert. Er war erfolgreich. Und Berlin wurde seine zweite Heimat. Nach dem Studium arbeitete er als Projektleiter und Programmierer bei VW. Obwohl er in Deutschland Fuß gefaßt hatte, hielt er den Kontakt in seine alte Heimat.
Der Zufall wollte es, das er und Khirani Ahmed von Tenere Voyage sich kennen lernten. Eine tiefe Freundschaft entstand. Beide waren vernarrt in die Wüste, und Madjid wollte dem Tuareg-Prinzen helfen, den algerischen Bürgerkrieg zu überstehen. So entstand die Idee, ihn auf die Internationale Tourismusbörse nach Berlin zu holen. Es war ein Erfolg. Zum erstenmal waren echte Tuaregs in der Messe zu bewundern. Das war ein Ereignis – diese stolzen Krieger aus nächster Nähe zu erleben. Danach war das Interesse für die algerische Wüste groß. Auf Fragen über die Unsicherheit, die dort herrschte, sagte Hadj Ahmed nur: „Hören sie mal, bei uns herrscht Frieden. Zwischen Algier und Berlin liegen 1.800 km, und zwischen Algier und Djanet 2.500 km. Na? Sehen Sie: in Djanet sind sie sicherer als in Berlin“.
Als sich 1993 die Gelegenheit ergab, an einer Expedition in das südliche Algerien teilzunehmen, die sich aus den Aktivitäten auf der ITB ergeben hatte, war Madjid begeistert dabei. Es ging zu den zu den steinzeitlichen Höhlenmalereien von Tassili N´Addjer SEFAR.
Doch es kam zu einem Unglück. Einer der beiden Militärhubschrauber, die sie gechartert hatten um die Touristen zu den Sehenswürdigkeiten zu fliegen, stürzte nach einer Zwischenlandung in der Wüste ab. Madjid sollte in der Unglücksmaschine sitzen. Doch er hatte sich kurzerhand entschieden noch den Müll wegzuräumen, den die Gruppe hinterlassen hatte, und verpasste den Abflug. 13 Menschen starben, darunter die beiden Kinder des Piloten.
Madjid kehrte unversehrt zurück. Er lebte. Er lebte ein geschenktes Leben. Warum er, fragte er sich immer wieder, und nicht die Kinder des Piloten? Es gab Tage an denen er gerne getauscht hätte, doch dieser Weg seine Schuld zu tilgen, seine Dankbarkeit gegenüber dem Leben auszudrücken, stand nicht offen.
In den folgenden Jahren bekam Madjid Kontakt zu einer Reihe von außergewöhnlichen Wissenschaftlern: Prof. Bernd Senf, damals von der FHW Berlin, führte ihn in einen Kreis von Leuten ein, die Wüstenbegrünung betrieben. Die Arbeiten basierten auf den Theorien und Technologien von Victor Schauberger und Wilhelm Reich. Mit dabei waren Verbündete wie Daniel Plocher von der Firma Penergetics. Im Winter 1996/97 unternahm Madjid mit Bernd Senf eine erste zweiwöchige Expedition nach Tassili n`Adjjer in der Sahara, um die Möglichkeiten eines eigenen Projektes auszuloten. Madjid hatte einige Türen in der damaligen algerischen Regierung öffnen können, und die gemeinsamen Projekte nahmen Form an. Bernd Senf, DeMeo und Madjid hatten damals bereits ein Memorandum zur Wüstenbegrünung verfasst. Für den August 1999 war eine zweite Expedition geplant – diesmal sollte neben Bernd Senf auch James DeMeo mit von der Partie sein – ein amerikanischer Wissenschaftler, der mit Wilhelm Reichs Technologien schon den großen Dürren in Namibia 1992/93 und Eritrea 1994 erfolgreich ein Ende gesetzt hatte.
Doch die Unruhen in Algerien flammten wieder auf und James DeMeo cancelte die Reise. Obwohl mit den politischen Umstürzen in Algerien die Unterstützung seitens der Regierung weg brach, brachte Madjid im Alleingang ein paar kleinere Projekte in Gang – mit dem Wissen und der Technik Plochers, unter anderem zur Revitalisierung von Gewässern in Nordalgerien. Er baut die erste „esoterische Kläranlage“ – wie sie das Kind damals tauften – für 20.000 Einwohner Zeralda bei Algier. Sie funktioniert bis heute noch einwandfrei ohne Strom oder Energiezufuhr. So konnten die Einheimischen vor Ort wieder ohne Infektionsgefahr baden. Doch der Traum eines eigenen Begrünungsprojektes mußte angesichts der katastrophalen politischen Lage vorerst begraben werden.
Im Jahr 2003 kam es zu einer extremen Dürre, von der Algerien sowie einige andere Mittelmeeranreihner betroffen waren. Die algerische Regierung überlegte schon Trinkwasser mit Tankern zu importieren. "Du kannst doch nicht untätig dasitzen", sagte Madjids Frau. Aber es gab keine Unterstützung seitens der algerischen Regierung, kein Geld, keinen Auftrag. "Aber Du kannst doch nicht untätig dasitzen", sagte sie. Es gab keine rechtliche Grundlage. Der Bürgerkrieg lag in den letzen Zügen und mit einem Gerät über Land zu fahren, das wie eine Flugabwehrkanone aussieht, wäre eine vielleicht stilvolle Art gewesen Selbstmord zu begehen. "Aber Du kannst doch nicht...". Madjids Zweifel fegte sie vom Tisch: „Auch wenn die Operation nur 1% Erfolg hat, ist schon viel erreicht“.
Es war Wahnsinn. Aber es war machbar. Die Wüste war es, die Madjid Abdellaziz ein zweites Leben geschenkt hatte , nun würde er es ihr zurückgeben. Die Familie erwarb sich 2004 Land in einer entlegenen, sich augenförmig öffnenden Geländeformation nahe des Dschebel Amour, in der Nähe des Geburtsortes seiner Frau, von Klippen eingeschlossen, zugänglich nur durch zwei in den Fels geschnittene Schluchten. Leicht zu kontrollieren. Von außen kaum einsehbar. Das Land gehörte bis dahin der Regierung, wurde von der Gemeindeverwaltung in El Haouita verwaltet, und traditionell von den dort ansässigen Nomaden mit ihren Ziegen- und Schafherden beweidet.
Madjid baute einen Cloudbuster, und einige andere Dinge, die er in Berlin kennengelernt hatte. Die Wetteroperation gelang. Schon nach zweieinhalb Stunden bildeten sich die ersten Wolken, nach fünf Stunden war der Himmel schwarz und von Wetterleuchten durchzogen. Eine halbsie Stunde später regnete es.
Es folgten weitere Operation in Djanan. Im Umkreis von 100 km normalisierte sich das Klima – es regnete so viel, dass die Stauseen bald zum bersten gefüllt waren. Es war das Ende der algerischen Dürre.Und der Anfang von etwas größerem.
Madjid blieb in Djanan. Mit Hilfe seiner Schwägerin Fatima Belami und ihr Mann pflanzten Oliven, Äpfel, Reihen von Kasuarinen, um dem Wind Einhalt zu gebieten. Er säte Getreide, setzte Kartoffeln, pflanzte Salat. Der Niederschlag blieb auf hohem Niveau – dank zweier Wolkenstabilisatoren, (Bild) die er in dem Wadi fest installiert hatte. Es regnete so viel und so heftig, dass die niedrigen Flächen sich teilweise in Seen verwandelten; dass die Wassermassen die frisch gesetzten Kartoffeln wegspülten.
In den ersten Jahren kam es immer wieder zu Zusammenstößen mit den Nomaden, die ihre Herden über die frisch angelegten Felder führten. Lange und zähe Verhandlungen waren nötig, um den Stammesältesten dazu zu bringen, das Experiment in Djanan zu unterstützen.
Djanan – wie Madjid seinen Paradiesgarten getauft hat – geht nun ins siebte Jahr.
Das Klima in der Region ist seit der ersten Operation 2004 stabil. Es regnet ausreichend, die Stauseen sind gefüllt, der Grundwasserspiegel hat 30 Meter gutgemacht. Der Preis für Wüstentrüffel ist von 80 auf 8 € das Kilo gefallen. Die Menschen in der Region danken Allah – und das ist auch gut so. So kann Madjid in Ruhe arbeiten.
Bisher war Djanan ein privates Projekt. 2011 soll ein neuer Zyklus starten und das Projekt soll sich nach außen öffnen. Der Welt zeigen was möglich ist – und interessierte Menschen lehren, wie man es macht.
Dazu wurde auf dem Gelände ein zweites Gebäude errichtet, dass als Scheune für Gerätschaften aber auch als erste Unterkunft für Gäste dienen soll. Die Außenmauern stehen, Dach und Innenausbau sind in Auftrag gegeben. Das wird das letzte konventionelle Gebäude auf dem Gelände werden. Im Laufe des Jahres 2010 sollen aus Sandsäcken in „dust-bag“-Kuppelbauweise Apartments dazukommen. Ein erster Schritt hin auch zu einer ganzheitlichen Antwort auf die Frage, wie wir in Zukunft leben werden. Nachhaltigkeit, Einfachheit, Naturnähe und Effizienz auf allen Ebenen.
Djanan bekommt einen Hektar Weinreben. Den Gemüseanbau hat Madjid in der vergangenen Saison zurückgefahren zugunsten der Bäume. Sie sind pflegeleichter und bringen einen dem Ziel eines eigenen, stabilen Mikroklimas näher als der Ackerbau.
Auch das Flüchtlingsthema tritt nun langsam in den Vordergrund - nicht nur in Form von „Harragas“, die immer mal wieder für ein paar Tage oder Wochen Arbeit auf Madjids Feldern finden.
Durch ein Zusammenwirken kann man die Grundlagen zu einer weiträumigen Wiederbelebung der Natur schaffen – auch in Gebieten, wo die natürlichen Lebensgrundlagen weitgehend zusammengebrochen sind: in Wüsten. Ich fühle mich daher für das Wohl der Menschen und der Umwelt verantwortlich.
"Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen"
(Antoine de St-Exupery )
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