Hintergrund

Im Jahr 2005 nahm in Algerien etwas seinen Anfang, das das Antlitz Afrikas verändern wird.
Wir kennen die Wüste von Bildern – von der Sonne verbranntes Geröll; Karawanen auf den Kämmen von Dünen. Vereinzelt eine Oase vielleicht, oder doch nur eine Fata Morgana. Dass hier einmal etwas wachsen soll erscheint undenkbar.
Für den westlich geschulten Wissenschaftler ist Wüstenbegrünung eine Frage der Technik, der Kontrolle und des Energieeinsatzes. Stein kann gebrochen, versalzener Sand gewaschen werden, Meerwasser entsalzt und durch Pipelines transportiert: Gewächshäuser mit Hightechfolien auf Silanbasis können riesige Flächen klimatisieren ohne von der Sonne verbrannt zu werden. Blattdünger und Effektive Mikroorganismen sorgen für das Wachstum, bis sich die Humusschicht regeneriert hat. Eine schöne Vision des Machbaren – nennen wir es eine Fata Morgana des Geistes.
Djannan heißt auf Arabisch "Paradies". Djanan, als Wort aus diesem Stamm hervorgegangen, heißt schlichtweg Garten. Seit dem Jahr 2004 ist "Djanan" auch ein Ort im Süden Algeriens. Ein Garten, ein grünes, paradiesisches Stück Land am Rande der Sahara – in einem Tal, in dem nur Stein und Sand und flirrende Hitze war. Im Jahr 2010 beginnt hier der Siedlungsbau. In Djanan kommen auch Technologien zur Wüstenbegrünung zum Einsatz – doch etwas ist anders – etwas macht diesen Ort betrachtenswerter als andere von Menschenhand geschaffene Oasen in der Wüste. Djanan ist das Werk einer Familie. Der Einsatz an Kapital, Energie und Arbeitskraft ist gemessen am Erreichten marginal. Was die Initiatoren des Projektes, Madjid, seine Frau und ihre Familie am Nordrand der Sahara tun, nennen sie integrale Umweltheilung. Es geht ihnen darum, die Selbstheilungskräfte der Natur zu erwecken. Nicht mehr – und nicht weniger.
Als ich Madjid das erste mal sprechen hörte dachte ich: der Mann trägt das Paradies im Herzen – und meine eigene inzwischen ein Jahrzehnt dauernde Suche nach Technologien, mit denen es möglich sein würde ein Paradies auf Erden zu kreieren, erschien mir fast lächerlich. Ich hatte etwas entscheidendes übersehen.
Je mehr ich von Madjid über Djanan erfuhr, desto klarer war: hier geht es nicht nur um Technologien. Es geht vorab darum zu lernen, wie man das Paradies im eigenen Herzen findet. Dass sich dieses Paradies dann nicht ohne Arbeit manifestiert, versteht sich. Madjid sagte öfters: ich bin wie ein Salat – ich trage mein Herz im Kopf. Das ist das eine.
Madjids geöffnetes Herz rief zwei andere Dinge in sein Leben, die inzwischen untrennbarer Bestandteil des Projektes sind: eine in der westlichen Welt verfolgte Wissenschaft, die naturnah ist, die aus der Selbstorganisation der Natur Überfluß schöpft und das Zeug dazu hat, die Menschen in Unabhängigkeit und Autarkie zu führen. Und die Hinwendung zu den afrikanischen Flüchtlingen, die durch den Süden Algeriens ziehen um in Europa ihr Glück zu machen – die im besten Fall die Gastlichkeit eines Asylantenheimes, im schlimmsten Fall der Tod im Mittelmeer erwartet. Der Wunsch diesen Menschen in ihrer eigenen Heimat eine Perspektive zu geben, sie zu lehren aus der Wüste eine Heimstätte zu machen, wurde zum festen Bestandteil der Vision von Djanan.
Diese drei Stränge sind es, die hier zu einer Zukunftsperspektive verwoben werden sollen! Flüchtlinge vor der geistigen Gewalt der westlichen Industriegesellschaft treffen Flüchtlinge vor der physischen Gewalt Afrikas – in einem Garten, der von einem Kind beider Kontinente geschaffen wurde.
Harald Kautz-Vella
Durch ein Zusammenwirken kann man die Grundlagen zu einer weiträumigen Wiederbelebung der Natur schaffen – auch in Gebieten, wo die natürlichen Lebensgrundlagen weitgehend zusammengebrochen sind: in Wüsten. Ich fühle mich daher für das Wohl der Menschen und der Umwelt verantwortlich.
"Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen"
(Antoine de St-Exupery )
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